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Lenardo und Blandine, oder Amandus und Amanda : Der Mündel : Die Blumen : Drey kleine Romane / von August Lafontaine
Entstehung
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ner geſtickten Weſte und Haarbeutel, die Frau Ca⸗ ſtellaninn am Arm in einem abgelegten Hofkleide. Der ehrliche Prediger ſtand in ſeinem Oberrock neben dem bunten, prächtigen Hofmann ein wenig beſchämt, aber noch vielmehr durch den demüthigen Hochmuth in ſeinem ganzen Weſen. Er nannte

den Fürſten, die Prinzen, die Prinzeſſinnen ver⸗

traulich: unſer Prinz Carl! unſere Prinzeß Luiſe!

das Wort Hof betonte er noch nachdrücklich, wie ungefähr der Prediger auf der Canzel das Wort: Gott der Welten Richter!

Der Prediger wurde blutroth vor Verdruß über den Hofmann, und noch mehr, daß er ſeinem Verdruße nicht Luft machen durfte. Denn dieſe leiſe Sprache, dieſes bedeutende Lächeln, womit er über Alles, was der Prediger rühmte, weg ging, überwaltigte ſeinen Stolz. Aber da er weg war, und ſeine Frau, der es nicht beſſer gegangen war, ihnen noch mit Ehrfurcht nachſah, rief er mit ſei⸗ nem Bußpredigt⸗Donner: Caſtellan! was Ca⸗

ſtellan? Ich bin im Dienſt des Allmachtigen nicht

Caſtellan, ſondern Miniſter, liebe Frau! Und meine Ordines, ich meine meinen Kragen, ſind ſo viel, und mehr als ein Fürſtenhut.

J Vaͤterchen, wie ſprichſt du? mehr wie eine Krone.

Mehr ſage ich. Eine Krone kann verloren zehen wie alles Irdiſche. Ich bitte dich, ſtecze