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Lenardo und Blandine, oder Amandus und Amanda : Der Mündel : Die Blumen : Drey kleine Romane / von August Lafontaine
Entstehung
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nicht wohl geworden. Sie ging, ſchloß ab, und der Oheim war mit dem allerliebſten Mäͤdchen im Dunkeln und allein. 81112.

Am andern Morgen kam das Fraͤulein. Das hübſche Madchen konnte die Augen gegen ihr Fräu⸗ lein nicht erheben, und eine dunkle Schamröthe be⸗ deckte ihre Wangen. Dem Fraͤulein wurde gehol⸗ fen. Sie verließ den Hof. Es hieß am Hofe, ihr Maͤdchen begleitete ſie. Aber dem war nicht ſo. Sie zog in eine kleine Stadt unter dem Nah⸗ men einer Wittwe. Sie hatte ein ſehr anſtändiges Auskommen. Sie wurde Mutter des Maͤdchens, das da im Thale unter dem Roſenbuſche ſitzt. Die Mutter ſtarb in der Geburt, und ihre Schweſter, die Caſtellaninn des Schloſſes auf der Höhe, nahm das Kind zu ſich, und Niemand auf der Erde wußte als ihr Mann, daß es nicht ihr Kind war. 3

Bey der zweyten Sünde war nicht nur die Mutter, ſondern auch der Teufel im Spiel. Auf der Stelle des Schloſſes ſtand ſonſt nur ein fürſtli⸗ ches Jagdhaͤuschen. In dem Jagdhauschen wurde die von dem jungen Fürſten lang verfolgte Tugend eines unſchuldigen Mäͤdchens zerſtört. Der Fürſt ließ an dieſem ſchönen Orte zum Andenken der ſchön⸗ ſten Stunde ſeines Lebens dieſe italieniſche Willa aufführen, um dort mit ſeiner Geliebten jeden Frühling und ſeinen Triumph über die Tugend

zu feyern.

Zwey Jahre war der Hof im Frühjahr hier