und ein Schreiben mit großem Siegel in der Hand hielt.
Der Baron war ſehr bleich, ſo bleich, wie weder Vingris noch der Koch ihn je geſehen, und über ſeine Wangen liefen ein paar große Thränen herab.
Die alte Baronin regte ſich nicht. Sie ſchlum⸗
merte ohne Zweifel. Louiſon ſtand am Fenſter und ſchaute auf das Treiben der Soldaten im Hof. Nie⸗ mand ſchien ſich darum zu kümmern, daß eine
Bombe ins Haus eingeſchlagen war, Niemand be⸗
merkte die gaffenden Geſichter der Dienerſchaft in der Thür.
„Mutter!“ ſagte Baron Mondélion leiſe.„Sei ſtark, Du ſollſt das Schwerſte hören. Die letzten Lebens⸗ mittel ſind aufgezehrt, die Forts ſind nicht ſtark genug
für das feindliche Feuer, ein Theil der Nationalgarde
verweigert offen den Gehorſam— Mutter, faſſe Dich, Paris hat capitulirt.“
Niemand antwortete. Regungslos lag die Kranke, nur die bleiche Frau mit den ſcharfen, finſtern Zügen und den tiefliegenden glühenden Augen, die am Fenſter ſtand, wendete das Geſicht.
„Mutter!“ rief René Mondeélion lauter. Niemand antwortete. René ſchlug den Vorhang des Betthimmels zurück,


