Teil eines Werkes 
2. AbtheilungDer rothe Fasching : Roman aus Frankreichs jüngster Vergangenheit : 1. Band (1872)
Entstehung
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Ohne Thränen hatte ſie die Leiche der Schweſter in die Gruft ſenken ſehen, mit finſterer Gleichgültig⸗ keit ſah ſie mit ihrem Vater den einzigen Menſchen ſcheiden, der ihr vertraut war. Sie entließ die bereits angeſtellte Dienerſchaft bis auf das unentbehrlichſte Küchen⸗ und Hausgeſinde und mit dieſem hauſte ſie nun in dem rieſigen Gebäude, von dem ſie ſelber nur wenige Zimmer bewohnte. Die herrlichſten Räume ſtanden leer und unbeſucht, dem Staub und der Ver⸗ ödung preisgegeben, denn auch auf der walachiſchen Dienerſchaft lag von den letzten Ereigniſſen her ein unheimliches Grauen, das ſie um ſo tiefer beugte, je weniger ſie ſeine Urſachen verſtanden.

Sie umgaben ſchweigend die vereinſamte Tochter ihres Herrn, deren glühende Augen täglich tiefer ein⸗ ſanken in das immer bleicher werdende Geſicht, die nur noch die allernothwendigſten Befehle gab, um ſich dann wieder in das hinterſte ihrer Gemächer zu⸗ rückzuziehen und in dumpfem Brüten vor ſich hinzu⸗ ſtarren.

Nur manchmal, wenn ihr die walachiſche Kam⸗ merfrau ſchüchtern erzählte von dem, was ſie auf der Straße gehört, von den Siegen der mächtigen Feinde Frankreichs und daß man ſelbſt für die Hauptſtadt fürchte, da flammte es düſter in ihren Augen auf