Teil eines Werkes 
2. Theil (1864)
Entstehung
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Bald erſchien eine Gruppe von Männern, tief in die Falten langer ſchwarzer Mäntel gehüllt; ſämmtliche Anweſende entblößten das Haupt und verneigten ſich.

Es war eine Deputation der Nationalregierung, abgeſendet von ihr,

um die Hochzeitsfeier eines der populärſten Helden Polens zu beehren.

Der Prieſter vollzog die Ceremonie; kaum aber war das feierliche Ja geſprochen und die Ringe gewechſelt, da wandte Tarnow ſich zu ſeinen Soldaten und zugleich zu einer Menge von Leuten aus den benachbarten Dörfern, die herbeigeeilt waren, um die Trauung mit anzuſehen.

Meine Brüder, rief er aus,erheben wir uns und verlieren wir nicht eine Secunde, denn die Wuth unſerer Feinde hat ihren GWipfel erreicht. Mit den vom Blute unſerer Brüder gerötheten Händen wollen ſie unſere Häupter unter das Joch beugen. Auf die Greiſe, die Weiber, die Kinder ſtürzt ſich der Feind, nichts ſchont, nichts achtet er, alles metzelt er nieder. Deshalb, Brüder, ergreifen wir die Waffen in der feſten Zuverſicht, daß Gott die Nation, wenn ſie einig iſt in dieſem Gefühl, durchdrungen iſt von dieſem Geiſte, mit ſeiner Macht unterſtützen, und ſie von den Todten auferwecken wird vor den Augen der beſtürzten Feinde, wie einſt der Hei⸗ land durch ein Wunder auferſtand aus dem Grabe inmitten der Wächter.

Indem wir die Waffen ergreifen, ſchwören wir vor Gott, und erklä⸗ ren es allen Völkern, ja ſelbſt unſern Feinden, daß wir weder fremdes Land, noch fremdes Gut erobern wollen; wir wollen uns nicht durch Plünderung und Raub bereichern; wir wollen keiner Nation ihre Freiheit entreißen; wir wollen nur, daß man uns zurückgebe, was uns gehört, was uns ſeit Jahren durch Gewalt, durch Zerſtörung und durch den verabſcheuungswürdigſten Verrath entriſſen worden. Mit einem Wort, wir wollen ein freies Polen, worin Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Gleichheit herrſcht. Brüder, Söhne unſeres gemeinſamen Vaterlandes, indem wir die heiligen Kämpfe für den Glauben und die Freiheit beginnen, wenden wir uns an euch und fordern euch auf: Reicht uns die Hand, komme ein Jeder uns zu Hülfe, wie er es kann und wie er es verſteht, denn Alle für Einen müſſen wir ſtehen, ſtark durch das Recht und durch unſern Muth; durch ſolche Verbin⸗ dung allein werden wir unſern Boden von den Horden, die ihn überſchwemmt haben, reinigen. Reicht uns die Hand, ihr Brüder Bauern; ergreifet eure Senſen, eure Aexte und eure Flinten, und mit dem Namen der heiligen Jungfrau auf den Lippen und im Herzen, vorwärts mit uns auf den Feind.

Reicht uns die Hand, ihr Brüder vom Adel; ſendet eure Söhne in unſere Reihen, und unterſtützet ſelbſt uns mit euren Rathſchlägen und euren Mitteln, die ihr ſo großmüthig zu opfern gewöhnt ſeid für unſre gemein⸗ ſame Mutter, das Vaterland!