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379 Das Wetter war feucht und kalt, die Nacht ſchwarz. Ein rauher Nord⸗ wind wehte durch die düſteren Corridore. Die Polen ſtarrten finſter vor ſich hin, ſie erwarteten jetzt, wo ſie keine Hoffnung mehr hatten, ſich zu
retten, den Tod.
Mouravieff ging nach einer Thür, welche er öffnete. Beatrix trat ein. Sie zitterte an allen Gliedern, ſie erinnerte ſich der Scene, wo ſie beinahe das Opfer des Wüthrichs geworden wäre, ſie hatte jetzt Niemand zu ihrer Vertheidigung.
„Haben Sie mich rufen laſſen?“ ſagte ſie.
„Ja.
„Ich bin gekommen.“
„Haben Sie keine Furcht mehr vor mir?“
Sie neigte den Kopf.
„Ich erſchrecke Sie wohl ſehr?“ fragte der Gouverneur ironiſch.
„Ja.“
Man hat Ihnen geſagt, ich ſei ein grauſamer, erbarmungsloſer Mann?“ „Haben Sie nicht Alles gethan, was dieſen Ruf beſtätigen muß?“ „Finden Sie das?“
Beatrix antwortete nicht.
„Sie haſſen mich wohl?“ fuhr Mouravieff fort.
„Gnädiger Herr,“ erwiderte das arme, unglückliche Mädchen mit feſter Stimme,„ich bin Tag und Nacht gewandert, um zu Ihnen zu kommen, um Sie zu bitten, mir meinen Verlobten wiederzugeben. Ich habe Sie mit gefalteten Händen angefleht, Ihnen mein Leben für das ſeinige ange⸗ boten. Sie haben mir einen Augenblickg Hoffnung gemacht; einen Augen⸗ blick ſchienen Sie mich zu erhören und ich glaubte, daß Sie ſich hätten bewegen laſſen.“
„Fahren Sie fort.“
„Ich hatte mich getäuſcht.“
„Wirklich?“
„Wenigſtens muß ich dies jetzt glauben.“
„Sammeln Sie Ihre Erinnerungen.“
„Chriſtian iſt noch immer in Ketten.“
„Der junge Mann hat vor mir geſtanden, wie hat er auf meine Fra⸗ gen geantwortet?“
„Sie empörten ſein Gewiſſen.“
„Bis zum letzten Augenblick hat er ſich feindſelig benommen.“
„Er iſt Pole geblieben.“
„Er hat den Kaiſer, den Staat, mich ſelbſt beleidigt.“
„Er kann die Seinen nicht verrathen.“
„Er kann eine ſchlechte Sache verlaſſen.“


