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„Er iſt allen Nachforſchungen entgangen—“
„Iſt er verwundet?
„Nein, er iſt ganz unverletzt.“
„Das iſt zu ſtark!— Aber jetzt iſt es vorbei, wir können nicht noch einmal anfangen; er ſoll machen, daß er fortkommt, er mag Gott danken.“—
„Aber wie kommt es, daß Sie dieſe Affaire in allen ihren Einzeln⸗ heiten kennen?“ fragte einer der Gefangenen den Erzähler.
„Das iſt ſehr einfach; ich war dabei.“
„Sie?“
„Gewiß.“
„Wie heißen Sie denn?“
„Conrad von Waſa.“
„Der Fürſt von Waſa!“ wiederholte man.
Aller Häupter entblößten ſich, nicht vor dem Fürſten, ſondern vor dem bewährten Patrioten, der ſchon ſo viele Beweiſe von Muth und Aufopfe⸗ rung gegeben hatte.
„Wahrhaftig,“ ſagte Einer,„das iſt wunderbar, ich wollte Sie eben fragen, was aus Conrad von Waſa geworden ſei.“
„O, ich habe dabei nicht viel gethan. Nachdem ich das Kind in Sicherheit gebracht hatte, ging ich nach dem Schloſſe zurück und war ſo glücklich, ein junges, ſiebzehnjähriges Mädchen vom Tode zu retten. Bald wurde ich ſelbſt verfolgt, ich floh durch eine Fenſterluke, fiel aber unglück⸗ licherweiſe einer ruſſiſchen Patrouille in die Hände. Man brachte mich nach Lublin und von dort hierher.“
Noch ſtanden die Gefangenen unter dem Eindruck der Erzählung, als man Chriſtian rief.
„Armer Junge,“ ſagte man,„er geht zum Tode.“
Man führte ihn in den Hof.
Es war ſechs Uhr Abends und die Nacht breitete ihren Schatten über
die Feſtung aus. Mouravieff befahl, Beatrix in ein beſonderes Zimmer zu bringen und alle Gefangenen mit gebundenen Händen um den Galgen zu ſtellen. Nach einigen Minuten waren ſeine Befehle befolgt, als plötzlich Van Eldorff, die Stricke zerreißend, vor Mouravieff hintrat und ſagte:
„Du magſt uns durch Deine Henker erwürgen laſſen, aber keiner von uns wird der Hinrichtung eines unſerer Mitbürger beiwohnen.“
„Es bleibt bei meinen Befehlen!“ rief der General.
„Ich verbiete es Euch!“ ſagte Van Eldorff.
Henker, Soldaten und Gefangene blickten mit Erſtaunen auf den toll⸗ kühnen jungen Mann.


