Teil eines Werkes 
2. Theil (1864)
Entstehung
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Am zwölften Abends gab der Graf ein Diner. Daſſelbe war eben beendet, als man hörte, daß eine ruſſiſche Colonne im Anmarſch war.

Man achtete nicht darauf, weil ſich weder im Schloſſe noch im Orte Woyelawice, noch in der Umgegend Spuren von Inſurgenten gezeigt hatten; man ſah in der Annäherung der Ruſſen nur einen gewöhnlichen Truppen⸗ Durchmarſch. Dennoch ließ man die Damen und Kinder nach der erſten Etage gehen, während die Männer im Erdgeſchoß blieben.

Unterdeſſen macht die ruſſiſche Colonne Halt der Commandeur ſtellt ſie in Schlachtordnung und läßt, ohne vorher noch irgend etwas zu fragen, zwei Kartätſchenſalven geben, das Dorf wird im Sturmſchritt durcheilt.

Wir ſind verloren, ſagte der Graf Poletyllo, der von ſeinen Fenſtern aus das Vorrücken der Ruſſen auf ſein Schloß beobachtet hatte,es iſt um uns geſchehen, wir können dem Tode nicht entgehen. Ich eile zu meinen Kindern, dort iſt mein Platz.

Vergeblich verſuchten einige, Hoffnung laut werden zu laſſen. Alle wußten, daß ihre letzte Stunde gekommen war. Man kannte die Ruſſen zu gut. Man wußte zu wohl, weſſen dieſe Barbarenhorde fähig war und nach welchen Befehlen ſie handelten. Seit dem Beginne der Inſurrection waren ähnliche Fälle ſchon zu oft dageweſen und gauze Dörfer waren ohne Widerſtand verſchwunden. Der Graf Poletyllo ging zu ſeiner Familie, während ſeine Freunde ſich durch die Zimmer vertheilten. Ehe ich weiter

fortfahre, will ich die Namen der Genoſſen des Grafen nennen, weil Alle.

eine Rolle in dem ſchrecklichen Drama ſpielen.. Sein Schwager, Herr Titus Woyciechowski und deſſen Sohn Joſeph, ein liebenswürdiger junger Mann von ungefähr vierundzwanzig Jahren; Oberſt Dunin, ehemaliger Offizier der polniſchen Armee und alter Soldat des erſten franzöſiſchen Kaiſerreichs, Run, Nachbar des Grafen und eben⸗ falls ein alter polniſcher Offizier, der Graf Batory und Fürſt Conrad von Waſa. Ehe dieſe Herren es ſich verſahen, wurde Herr Woyeiechowski von einer Kanonenkugel getroffen, nachdem auch ſein Sohn bereits an ſeiner Seite todt niedergeſtürzt war.

Die Ruſſen hielten das Schloßthor beſetzt und ſchoſſen von draußen in

die Zimmer..

Conrad von Waſa nahm ein Kind in ſeine Arme und ſprang aus einem verdeckten Fenſter in einen Hinterhof.

Graf Batory, in dem letzten, großen Gefechte verwundet, konnte ihm nicht folgen und ſchlüpfte in einen Alkoven.

Oberſt Dunin, von ihm gerufen, wollte ihm folgen. Sie waren ſieben oder acht Männer, die Ruſſen waren tauſend, an Vertheidigung war nicht zu denken. In dem Augenblicke, als Oberſt Dunin eben verſchwinden wollte, ſtürzte er auf ein Sopha, von drei Kugeln getroffen.

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