281
„Armes Kind!“ Inzwiſchen war Beatrix bei ihrem Bruder angekommen und ſagte ihm: „Tadeus, Chriſtian iſt gefangen. Du weißt, ob ich ihn liebe, und ob ich ohne ihn leben kann; was wirſt Du thun?“ „Verſuchen, ihn zu befreien.“ „Wie?“ „Mich als Deſerteur erklären.“ „An ſeiner Stelle?“ „Ja.“ „Aber dann werden ſie Dich tödten?“ „Liebſt Du nicht Chriſtian?“ „O, aber ich liebe Dich auch!“ rief Beatrix, ſich an den Hals des „Bruders werfend und ihr Köpfchen an ſeine Bruſt legend. „Muß er nicht gerettet werden?“ „Ja wohl, er muß gerettet werden, er muß, hörſt Du?“
„Siehſt Du wohl—“ „Aber Du darfſt nicht dafür gefangen werden?“ 8„Wie ſoll ich das machen?“ 4„Suche!“— „Ohne mich zu opfern, habe ich keine Ausſicht für ihn.“ „O mein Gott, o mein Gott!“ jammerte des arme Mädchen, weinend die Hände ringend. „Höre,“ ſagte Tadeus, nes giebt vielleicht noch ein Mittel.“ „O ſprich, ſprich!“ „Iſt er im Stadtgefängniß?“ „Ja!“ 4„Nein,“ ſagte Tadeus,„das hieße das Leben Vieler für nichts auf's
Spiel ſetzen.“ „Was wollteſt Du thun?“. „Die Thore des Gefängniſſes erbrechen und ihn dem Arm des Henkers entreißen.“ Beatrix ließ ihren Kopf, als Zeichen des Unglaubens und der Verzweif⸗ lung, auf ihre Schulter ſinken. 4„Darauf iſt nicht zu rechnen!“ ſagte ſie. „Warum nicht?“ „Es iſt unmöglich!“ „Wir marſchiren unſer hundert, zweihundert Mann!“ .„Sie haben Tauſende!“ „Wir find jung, wachſam, muthig!“ „Die Mauern find hoch, die Gräben voll Waſſer und die Kanonen in Bereitſchaft.“” ⸗


