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mein Vetter, ſo hat er mich ſchändlich belogen, denn ich kenne meine Ver⸗ wandten nicht, weil ich niemals in Lemberg war. Er aber iſt gekommen und hat mir Grüße gebracht von ſeinem Vater und weil gerade Sabbath⸗ Abend war, ſo hat er das Feſt mitgemacht, wie ein echter Jude, und hat gegeſſen und gebetet mit uns, wie dies bezeugen können alle meine Söhne und Schwiegerſöhne. Darum habe ich nicht anders geglaubt, als daß es mein Vetter iſt, und habe ihn draußen gelaſſen auf meinem Gartenhaus, weil er morgen ganz früh abreiſen wollte, Häute zu kaufen in Krim und hatte alle ſeine Sachen bis auf den Mantelſack vorausgeſchickt.“
„Das wäre nun Jedem glaublich geweſen, nur keinem Poliziſten, und ſie fragten, warum der Vetter gekommen ſei in chriſtlichen Kleidern.
„Da ſagte Abraham, es ſei wegen der Inſurgenten geweſen, habe der Vetter geſagt, denn wo die einen Juden ſehen, meinen ſie, er habe Geld und laſſen ihn nicht weiter.
„Mir aber hat er einen Wink gegeben und ich habe ihn verſtanden und bin gekommen, Sie hinans zu führen, und ich hoffe, die Ruſſen wer⸗ den den Abraham in Ruhe laſſen, denn er ſtand ſich bisher noch immer gut mit der Polizei.“
„Aber der Brief an Waſa?“ fragte Adrian,„wo iſt der?“
„Leider nicht geſchrieben. Dagegen will ich Ihnen alles Geld geben, was ich bei mir habe, und Sie brauchen mir keinen Schuldſchein darüber auszuſtellen, denn ich weiß, Sie ſind ein Ehrenmann.“—
Lange gingen ſie ſchweigend neben einander, ein Jeder in ſeinen eigenen Gedanken verſenkt.
Für Adrian war es ſchmerzlich, daß gerade durch ihn ſeinem braven Gaſtfreunde eine Unannehmlichkeit entſtehen mußte, doch bedauerte er auch den Verluſt ſeines Mantelſackes, der Papiere enthielt, die ihm von Wichtig⸗ keit waren.
Mit Jacob zu reden, dazu fühlte er gar keine Veranlaſſung, nicht, als ob er ſich eines Unrechts gegen Rebecca's Bräutigam bewußt geweſen wäre, ſondern weil er unter dieſer häßlichen Außenſeite nur Gemeinheit, Geiz und Geldgier vermuthete.
Der junge Jude ſchien auch zum Reden wenig aufgelegt, er ging mit geſenktem Haupte dahin, wie Einer, der in tiefe Gedanken verſunken iſt, und als die Sonne ſich hob, legte er die Gebetbinde um ſeine Stirn und wandte all ſein Sinnen dem Ewigen zu.
Doch nicht laut erklangen die frommen Worte, wie er ſonſt gewohnt war, ſie aus vollem Herzen zu Gott empor zu rufen; mit leiſe bewegten Lippen ſchritt er hinter Adrian dahin, um in frommer Scheu ſeine Andacht vor dem Andersglaubenden zu verbergen.
Früh langten ſie in einem Dorfe an, und Jacob trat in eine jüdiſche


