26. Schlimme Nachrichten.
Der andere Morgen vereinte Adrian wieder mit Rebecca.
Der geſtrige Feiertagsglanz leuchtete noch in den Morgen hinein, als das Mädchen nach einer ſüßen Plauderſtunde auf's Neue zu ihm trat.
Sie war in einen weiten ſchleierartigen Ueberwurf gehüllt, aus deſſen weißen Falten ihre Augen in wunderbarem Feuer ſtrahlten; ein goldver⸗ ziertes Buch hielt ſie in den Händen und mit einem Lächeln voller Milde bat ſie ihn, ſich während ihrer Abweſenheit die Langeweile mit Muſik und Lectüre zu vertreiben.
Er ſah ihr lange nach, als ſie, zwiſchen den Eltern dahinſchreitend und nach rechts und links ihre Bekannten freundlich grüßend, zur Synagoge ging.
Es lag etwas ſo Weiches, Hingebendes in ihren Bewegungen, in ihrem langſamen, ſchwebenden Gange; ihm war es, als hätte er der Baumſtamm ſein mögen, um welchen dieſe ſchöne Liane ſich rankte.
Den Flügel rührte er nicht an und nahm keines der elegant gebunde⸗ nen Bücher von ſeinem Platze.
Im ſammetnen Lehnſtuhl ausgeſtreckt, träumte er mit halbgeſchloſſenen Augen. Er ſah Eleonoren neben Rebecca, er verglich die ſtolze, ſelbſtbe⸗ wußte Schönheit der Gräfin mit dieſer poeſievollen Zartheit. Rebecca war die Palme, deren glänzende Zweige in Himmelslüften ſchweben und die vergißt, daß ihre Wurzeln in der Erde weilen; Eleonore dagegen die volle Purpurroſe, die kokett den Wanderer herbeilockt, daß er ſie bewundere und, wenn ihr Stachel ihn nicht ſchreckt, ſie pflücke.
Er wußte nicht, welche von Beiden den Vorzug verdiente. Vielleicht konnte Rebecca's glühende, ſchmachtende Liebe ſüßer ſein, jedenfalls erſchien Eleonore reizender, piquanter.
Selbſt fern von ihr beherrſchte ihn ihr ſchönes Bild, gleich einem Stern, von deſſen Bahnen ſein Leben abhängig war.
Die gaſtliche Familie kehrte heim, begleitet von einem jungen Manne, den man Jacob nannte und gleich einem Gliede des kleinen Kreiſes mit ungenirter Freundlichkeit behandelte.
Bald ſahen Adrian's ſcharfe Augen, daß die Blicke des jungen Juden an Rebecca hingen, daß er ihre Nähe ſuchte, ihren Worten lauſchte.
Jacob war nicht eben ſchön zu nennen und das ſeinem Stamme eigen⸗ thümliche Coſtüm entſtellte ihn. Ein ungraziös geſchnittener kaftanähnlicher Rock von glänzendem ſchwarzen Stoffe ging bis zu ſeinen Füßen herab; an ſeinen Schläfen hingen einige dünne, wohlgekräuſelte Locken und um Mund und Kinn zog ſich der blauſchwarze, dünne Bart. Nur ſeine Augen


