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Reiches Haar bedeckte den mächtig entwickelten Schädel und umkränzte die breite, über den Augen weit vorſpringende Stirn, aber dies Haar war ſchneeweiß; ein voller, ſilbergrauer Bart bedeckte Lippe und Kinn. Gleich⸗ wohl war der Mann noch nicht alt, das zeigten ſeine raſchen, energiſchen Bewegungen, das Feuer ſeiner Augen, die feierlich ernſt vor ſich hinblickten, die Haut, die noch ſtraff das zwar magere, aber keineswegs welke Geſicht überſpannte. Man konnte ihn höchſtens für einen Funfziger halten.
Dieſer Mann war augenſcheinlich der Präſident der kleinen Verſamm⸗ lung, ſein ausgezeichneter Platz, und die Aufmerkſamkeit, mit der die Uebri⸗ gen auf das erſte Wort von ſeinen Lippen zu warten ſchienen, bewieſen es.
So war es allerdings. Die zwölf geheimnißvollen Männer in Mönchs⸗ tracht waren die Spitzen der Nationalregierung des aufgeſtandenen Polens, und der Mann mit dem weißen Haar, den wir ſoeben geſchildert, der Prä⸗ ſident und zugleich Kriegsminiſter derſelben, General Wyſocki.
Wir dürfen die Gelegenheit nicht vorüberlaſſen, die genaue Bekannt⸗ ſchaft dieſes außerordentlichen Mannes, eines der thätigſten und vortrefflich⸗ ſten Patrioten des unglücklichen Polens, zu machen.
Joſeph Wyſocki wurde im Jahre 1809 in Podolien geboren, zählte alſo zu der Zeit, in welcher unſere Erzählung ſpielt, etwa vierundfunfzig Jahre. Seine Studien machte er auf dem Gymnaſium zu Krzemieniec und trat im Alter von neunzehn Jahren in die damals noch beſtehende polniſche Armee ein. Er erwarb ſich bald den Rang eines Artillerielieutenants und machte den bald darauf ausbrechenden Unabhängigkeitskrieg in dem Corps des berühmten Skrynecki mit; ſeine Tapferkeit trug ihm in dieſem Feldzuge das damals geſtiftete polniſche eiſerne Kreuz mit der Aufſchrift:„virtuti militari“ ein. 3
Nach dem unglücklichen Ende des Krieges wanderte Wyſocki nach Frank⸗ reich aus. Als begabter junger Mann fand er hier bald eine Anſtellung, zuerſt wirkte er an der Kanonengießerei zu Toulouſe und ſpäter an der Ar⸗ tillerieſchule zu Metz, wobei er auch ſeine eigene militairiſche Ausbildung vervollkommnete. Er ſchrieb mehrere kriegswiſſenſchaftliche Werke in pol⸗ niſcher Sprache, und hielt einen Lehreurſus in der Kriegskunſt für die pol⸗
niſchen Emigranten. Seit ihrer Stiftung gehörte er der polniſch⸗demokratiſchen Geſellſchaft an, die daher bei der Wahl ihrer Führer in dem 1846 projectirten Auf⸗
ſtande natürlich ihr Augenmerk auf ihn lenkte und ihm das Commando in Galizien übertrug. Wie man weiß, kam jenes Project indeß nicht zur Aus⸗ führung. Die revolutionären Bewegungen des Jahres 1848 geſtatteten ihm den Aufenthalt in Krakau. Da er ſeinem Vaterlande direct nicht dienen konnte, ſo wollte er ſich wenigſtens an dem Kampfe gegen die Gewaltherr⸗ ſchaft, der in Ungarn ausbrach, betheiligen und organiſirte die polniſch⸗


