Druckschrift 
Die Volksbeglücker : eine Erzählung : ein Band / von Max von Schlägel
Entstehung
Einzelbild herunterladen

256

leſen, daß Du wieder eine Anſtellung angenommen habeſt, die Dir ſchwerlich Zeit laſſen wird, zu uns zu kommen und dann iſt meine Schweſter in ihren alten Tagen, ſie iſt jetzt doch ſchon über dreißig, von ſo wunderlichen Launen und Stimmungen befallen, daß ich nicht weiß, ob ich nicht einen oder den anderen Morgen verreiſen muß, um irgend einen nebelhaften Jugendgeliebten aufzuſuchen, in den ſie ſeit zehn Jahren, (denke dir die Zeit!) ganz erſchrecklich verliebt zu ſein behauptet. Sie erzählte mir da eine ganz rührende Geſchichte von einem jungen ſchweizeriſchen Beamten, den ſie auf ihren Reiſen kennen gelernt, von romanti⸗ ſchen Seefahrten, von Verleumdungen, von herzbre⸗ chendem Abſchied und falſchen Todesnachrichten; mir wirbelt jetzt noch der Kopf davon. Wenn meine Schweſter nicht ſonſt ſo vernünftig wäre, würde ich das Ganze für Einbildung halten, aber gerade weil ſie ſo vernünftig iſt, kann ich dieſe Thorheit um ſo weniger begreifen. Alſo, Freund, um was ich Dich bitten möchte, löſe meine Zweifel über den Seelenzu⸗ ſtand meiner Schweſter, indem Du mir mittheilſt, ob es in... vor zehn Jahren einen jungen Mann Na⸗ mens Maxer gegeben hat, der dem Prieſterſtande ent⸗ ſagte und im Staatsdienſte angeſtellt wurde. Schreibe mir,(wohlgemerkt, meine Schweſter weiß nichts davon,)

1.