—
247
abgeſpannten fahlen Züge hie und da unwillkkürlich zuckten, da mußten ſich ſeine letzten und eifrigſten An⸗ hänger ſagen, daß ihr einſt vergötterter Führer nur mehr der Schatten von ehemals ſei, ein Name von vollem guten Klang, aber weiter nichts als ein Name. Wenggy ſelbſt ſchien das zu fühlen. Ganz gegen ſeine Gewohnheit begann er langſam und mit faſt leiſer Stimme, der ſonſt ſeine Rede ſtets mit einer überraſchenden feurigen Apoſtrophe eingeleitet. „Mitbürger! Vor wenigen Tagen noch hatte ich andere Hoffnungen, als ſie ſich heute bewahrheiten. Von Eurem Vertrauen geehrt, von Eurem Jubelrufe begrüßt, glaubte ich an dem entſcheidenden Tage, der
unſer Werk der Freiheit und Befreiung krönen ſoll,
die Rednerbühne zu beſteigen. Mitbürger! Euer Schwei⸗ gen, ein Blick in Euer Antlitz ſagt mir, daß die Zei⸗ ten ſich geändert haben, gewaltig geändert.“ Der Na⸗ tionalrath hielt einen Augenblick inne, wie ermattet; dann fuhr er mit kräftigerer Stimme fort. Auch ſeine Wangen hatten ſich wieder etwas geröthet, ſein Auge belebt, ſeine Geſtalt richtete ſich auf.
„Mitbürger! ich verſtehe dieſe Zeit nicht mehr. Ich verſtehe es nicht, wie ein kleines zufälliges Ereig⸗ niß, die Schlechtigkeit eines einzigen Menſchen, wie die Abnahme der äußerſten Noth überzeugungsvolle Men⸗


