kümmern und nit um ihre Familien, denen Du doch nichts biſt als die Fahne, unter der ſie vorwärts kommen wollen, die ſie verlaſſen, wenn der Wind einmal nach einer andern Seite weht.“
Der Nationalrath hatte dieſen ganzen leidenſchaft⸗ lichen Erguß ſeiner Frau angehört, ohne ſie mit einem Wort zu unterbrechen, aber ſein Geſicht wurde immer bleicher, ſeine ſchwarzen Augen ſchienen ſich vor Schmerz tief in ihre Höhlen zurückzuziehen.
Die Augen der Schwägerin hafteten mit einem an Zärtlichkeit ſtreifenden Ausdruck auf dem Mann der Schweſter. Auch dieſe ſchien einigermaßen ihre Heftig⸗ keit zu bereuen, als ſie den Eindruck bemerkte, den ihre Worte hervorgebracht. Sie ſchien wieder ein⸗ lenken zu wollen und faßte die Hand ihres Mannes, die feſt geſchloſſen neben ihr auf dem weißen Tiſch⸗ tuch ruhte.
Der Nationalrath machte ſich ſanft aber entſchieden los und ſagte mit ernſter ja ſtrafender Stimme:
„Es ſteht mir nicht zu, nach Weiberart im Pri⸗ vatleben meiner politiſchen Freunde zu wühlen. Wenn einzelne derſelben für die Ihrigen nicht das ſind, was ſie nach Deinem geſtrengen Urtheil ſein ſollten, ſo liegt die Schuld vielleicht auch mit an den letzteren, weil ſie vielleicht zu wenig Verſtändniß und Sympathie


