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mit rücken wir aber einer genauen Bezeichnung von unſeres Ankömmlings Aeußerem nur wenig näher, denn intereſſant iſt eigentlich doch für jeden etwas anderes. Und gewiß wären an des Profeſſors Chri⸗ ſtoph Hermann aufrechter aber beſcheidener Haltung, an ſeinem ruhigen beobachtenden Blick, ſeinem wenig ge⸗ pflegten Vollbart achtlos die Mehrzahl der jungen Da⸗ men vorübergegangen, welche ſich ſonſt auf das In⸗ tereſſante am vollkommenſten verſtehen.
Aber Chriſtoph Hermann gehörte zu jenen Men⸗ ſchen, deren Blick uns, mag es in einer heiter plau⸗ dernden Geſellſchaft, mag es auf einſamen Spazier⸗ gange ſein, oft überraſcht, als ſei er in die innerſten Geheimniſſe unſeres Herzens eingedrungen, daß unſere Seele bald zuckt wie ein Glied unter der Lanzette des Arztes, bald überwallend ausrufen möchte: Ja, Du könnteſt alle Luſt und alles Leid dieſer Bruſt verſtehen, — zu dieſen Menſchen gehörte der flüchtige Volksred⸗ ner, der ſuspendirte Profeſſor Chriſtoph Hermann.
Nehmen wir dazu eine hohe und breite Geſtalt mit leichten und ruhigen Bewegungen, nehmen wir Manieren, wie ſie in ihrer anſpruchsloſen Eleganz der Habitué; der höchſten Geſellſchaftsreiſe nicht vollkom⸗ mener beſitzen kann, und einen einfachen dunkelgrauen Reiſeanzug, ſo haben wir den Profeſſor fürs erſte ge⸗
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