Teil eines Werkes 
3. Band (1872)
Entstehung
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Spiegel entgegenſtrahlte. Daß ſie ſo ſchön ſei, hatte ſie bis jetzt ſelber nicht einmal gewußt, ſie fühlte etwas wie Beengung zwiſchen all dem Glanze, den ſie aus⸗ ſtrahlte, und wenn ſie ſich bewegte, rauſchte die lange Schleppe, als wolle ſie ihr zuflüſtern mit hundert Zun⸗ gen: Du biſt ſchön, Nini!

Madame Chavandrier bemerkte, daß Nini ernſter war als gewöhnlich; um dieſe gedrückte Stimmung zu verſcheuchen, öffnete ſie eine der bereitſtehenden Cham⸗ pagnerflaſchen.

Schon das Springen des Korkes elektriſirte Nini; nachdem ſie ein paar Gläſer getrunken, nahm ſie Ma⸗

dame Chavandrier um die Mitte und drehte ſich mit

ihr im Zimmer herum. Madame Chavandrier, welche vielleicht mit Recht in Nini's Thorheit deren größten Reiz erblickte, that nichts, um die tolle Laune ihrer neuen Mietherin zu beſänftigen, und ſo kam es, daß ſie beide das Läuten der Glocke überhörten und daß Lazire ſie unter der offenen Thür ſtehend eine Weile betrachten konnte, ehe ſie ihn gewahrten. Neben ihm zeigte ſich marmorbleich, aber verhältnißmäßig heiter das ſentimentale Geſicht Heloiſens. Ihr von der Er⸗ innerung an eine längſt entſchwundene Liebe zehrendes Herz hatte wieder Nahrung für Wochen.

Lazire hatte ihr lächelnd auf die Wangen geklopft