208
Charles Fränkel kannte das Renommée des Ortes. Sonſt war er theilnahmlos vorübergegangen, heute be⸗ trachtete er ſich das Reſtaurant mit einigem Intereſſe— ein Wagen hielt eben, ein Kellner ſprang an den Schlag, Herr Fränkel blieb ſtehen, weniger aus angeborener⸗ Höflichkeit, denn aus unbeſtimmter Neugier. Eine Dame ſtieg ziemlich ſchwerfällig aus und eilte raſch die Stufen des Reſtaurants hinauf. Sie war ſchwarz gekleidet und dicht verſchleiert. Der lange weite Mantel, den ſie trug, erlaubte nicht einmal die Form ihrer Geſtalt zu erkennen.
„Der Gimpel, den die zum Mann oder Geliebten hat, muß ſehr eiferſüchtig ſein“, lächelte Fränkel,„ſonſt hätte ſie ſich nicht ſo gut verwahrt.“
Der Cavalier bezahlte den Kutſcher und folgte der Dame. Es war Stanowsky.
Fränkel hob überraſcht den Kopf.
Er und immer er! Seit geſtern hatte der rothe Pferdehändler nicht mehr jene huldvollen Gefühle gegen Stanowsky, wie einige Tage früher, er fürchtete ihn, und das iſt nicht weit vom Haß, in dieſem Augenblicke beneidete er ihn ſogar ein wenig. Er hatte doch ein unverſchämtes Glück bei den Frauen.
Einem unwillkürlichen Antrieb folgend, trat Fränkel in den Spiegelſaal des Reſtaurants und ließ ii die Speiſekarte geben.
—


