Teil eines Werkes 
2. Band (1872)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

179

Der Graf blickte überraſcht auf.

„Du ſcherzeſt.“

„Ich ſcherze nicht, ich möchte Jemand ſterben ſehen.“.

„Du, die fromme, reuige Magdalena, haſt ſolche mörderiſche Wünſche?“

„Gewiß, ich habe noch nie Jemand ſterben ſehen“, fuhr Léonie Lebrun ſinnend fort, indem ſie mit ihrem gelben Maroquinpantoffel ein halbabgebranntes Scheit in das Feuer ſtieß, daß es eine Wolke von rothen Funken in das Kamin emporſandte.„Ich habe ſelbſt niemals eine Leiche geſehen, vielleicht iſt es deshalb daß ich den Tod ſo ſehr fürchte. Wenn mir das Sterben einmal in ſeiner ganzen brutalen Wahrheit entgegentritt, verliert es vielleicht ſeine Schrecken.“

Der Graf zuckte die Achſeln.

„Ich wünſche nicht, daß Jemand todtgeſchoſſen wird heute; für Mondelion hege ich aufrichtige Sym⸗ pathie und der Lord iſt ein mehr thörichter als ſchlech⸗ ter Menſch. Ich wäre natürlich ſehr gern bereit, Deine Abhärtung gegen die Todesfurcht nach Kräften zu un⸗ terſtützen, wenn ſich nicht alle bisher üblichen Regeln der Anweſenheit von Frauen bei derlei Anläſſen ent⸗ gegenſtellten.“

„Höre, Alfred“, ſagte Léonie Lebrun und lehnte 12*