Teil eines Werkes 
1. Band (1874)
Entstehung
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wie ſinnend mit den Schnüren des Bündels, das ſie in der Hand hielt.

Soll ich's aufmachen? fragte ſie mit einem etwas mißtrauiſchen Seitenblick.

Laß das! wehrte Angelo ab, indem er den Arm um ihre Schulter legte und ſie zärtlich näher zog. Mir liegt jetzt mehr an Dir als an den Briefen. Du biſt ein ganz prächtiges Mädchen, Reſ'l! Je län⸗ ger ich Dich anſehe, deſto beſſer gefällſt du mir! Man müßte ſich als Dein Schatz gar nicht ſchlecht befinden!

Reſ' verſuchte ein Schmollgeſichtchen zu machen, wie ſie es bei paſſenden Gelegenheiten an einem viel⸗ umworbenen Kammermädchen beobachtet hatte.

Schätze kann ich hab'n, ſoviel ich will, auch Barone und Grafen, dazu brauch' ich Sie net; aber ich möcht' Baronin werden!

Die Umarmung des Freiherrn wurde immer zärt⸗ licher; er hatte auch ſeine Rechte ſanft auf ihren Arm gelegt. Seine Augen waren wie die eines Raubthieres auf das Päckchen gerichtet, das Reſ'l in beiden Hän⸗ den hielt; immer feſter zog er das Mädchen an ſich, immer krampfhafter drückte er den Arm, den er um⸗ klammert hielt.

Du ſollſt Alles werden, was Du willſt, Reſ'l, flüſterte der Baron und neigte ſich zu ihr nieder.

Schlägel, Die Ritter der Gegenwart, I. 16