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immer gefühlt hatte und der jetzt auf einmal rieſen⸗ groß ſeine ganze Zukunft zu verdunkeln ſchien, die ihm noch eben ſo klar und ſtrahlend vorgekommen. Die Gefahr, die ihn bedrohte, war um ſo beängſtigender, als Angelo ſie ihrem Weſen nach nicht einmal kannte, und der Kaufpreis des Geheimniſſes ſtand in brutal⸗ ſter Geſtalt vor ihm: ein Weſen, das mit jedem ſeiner Worte, jeder ſeiner Bewegungen ein Gefühl wie einen tiefen Ekel in dem verwöhnten Mann hervor⸗ rief..
Endlich erſchien die Reſ'l wieder. Sie trug in der Hand ein Päckchen, in ein ſeidenes Tuch einge⸗ ſchlagen und mit Schnüren umwunden.
Das Tuch zeigte ein grelles Muſter und eine ſo eigenthümliche, halb antike Zeichnung, wie ſolche in Deutſchland nicht üblich ſind.
Angelo erſchrak heftig. Manche Formen und Far⸗ ben prägen ſich der Phantaſie eines Kindes oft für
das ganze Leben ein, der Baron wußte ſicher, daß
jenes Tuch ſeiner Mutter angehört hatte. Er über⸗ wand den Schrecken, der lähmend durch ſeine Glieder fuhr, und ſetzte ſich, um der Reſ'l mehr Vertrauen ein⸗ zuflößen, wieder auf die Bank, indem er ſie mit einer Handbewegung einlud, neben ihm Platz zu nehmen. Die Reſô that das ohne jede Ziererei und ſpielte


