Teil eines Werkes 
1. Band (1874)
Entstehung
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Blos weil ich Frau Baronin werd'n möcht', will ich Sie heirathen, ſchloß die Reſl aufgebracht, denn auf dem Antlitz des Freiherrn leuchtete ein ſo finſterer dämoniſcher Spott, daß ſelbſt die reſolute Adelscandi⸗ datin ein leiſes Fröſteln empfand.Denn wenn ich net hätt Baronin werden woll'n, nähm' ich mir lieber noch den Thomas als ſo ein Zwetſchgenmann'l.

Das Ausſehen des Barons hatte ſich inzwiſchen verändert; er war völlig Herr über ſeine Empfindungen geworden. Um nichts zu vernachläſſigen, was zu ſeiner Sicherung dienen konnte, hatte er beſchloſſen, das Schlimmſte, was Reſ'l aus ſeiner Mutter Briefſchaften herauslas, als wahr anzunehmen und demgemäß zu handeln. Seine Blicke irrten wie prüfend über Geſicht und Geſtalt ſeiner heirathsluſtigen Feindin, und ſanft legte er die behandſchuhte Rechte auf den entblößten Arm der Reſl. Dieſe, an derbere Galanterien ge⸗ wöhnt, ſchien das nicht einmal zu bemerken.

Wenn ich nun aber ſchon eine Braut hätte, Reſ'l?

Das Mädchen zuckte mitleidig die Achſeln.

Es hat ſchon Mancher eine ſitzen laſſen, warum nicht auch mal eine Gräfin? So eine kriegt leichter 'nen Baron als eine Wirthstochter. Was Geſicht

und Geſtalt anbelangt, ſo kann ich es mit jeder

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