Teil eines Werkes 
1. Band (1874)
Entstehung
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234 Und ſie legte den Kopf zur Seite und ſchaute den Baron wieder ſo ſchelmiſch an wie bei den erſten Worten ihrer Unterhaltung.

Angelo war verwirrt.

So ſehr er ſich auch bemühte, das Alles gering zu ſchätzen, es gelang ihm nicht. Seine Blicke lagen flackernd und unſicher auf dem Antlitz der kecken Dirne und convulſiviſch öffnete und ſchloß ſich ſeine Hand.

Die Reſ'l hatte Recht.

Die geheimnißvollen Briefe, deren Inhalt er ſich nicht denken konnte, übten bereits einen unheimlichen Zauber, dem er ſich nicht mehr zu entziehen vermochte. Mühſam rang er nach Faſſung, und mit erzwungenem Spott ſagte er:

Mit dem Italieniſchverſtehen Deines Vaters ſcheint es mir nicht beſonders gut beſtellt geweſen zu ſein, wenn er aus Briefen meiner Mutter ſo thörichtes Zeug herausgeleſen hat; immerhin ſind mir dieſe Briefe als Andenken theuer und Du haſt kein Recht, ſie zu behalten. Da Du aber ein Geſchäft damit machen willſt, ſo bringe ſie mir, ich will ſie Dir gut bezahlen.

Dabei zog Angelo eine elegante Brieftaſche hervor und nahm einige Bankſcheine heraus, die er auf den Tiſch legte.

Die Reſ'l ſchob ſie mit Verachtung zurück.