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bare Erinnerungen aus den Tagen ſeiner Kindheit tauchten vor ihm auf: er ſah das kühle, mißtrauiſche Verhältniß ſeiner Eltern zu einander; er entſann ſich, daß ſein Vater ihn niemals geliebkoſt oder ein freund⸗ liches Wort an ihn gerichtet, ſondern ihn ſtets mit einem gewiſſen Mißtrauen betrachtet und ihn, ſobald es nur irgend thunlich, in dem Adelsinſtitut der Pa⸗ gerie untergebracht hatte. Er ſuchte indeß all das ab⸗ 3 zuſchütteln, und drohend ſchaute er in die blitzenden Augen der Kellnerin, die furchtlos vor ihm ſtand, und ziſchte: „Suche Dir zu Deinen Scherzen einen Anderen, freches Geſchöpf! Bei mir möchten ſie Dir ſchlecht be⸗ kommen!“ „Hohoho!“ lachte die Reſ'l laut und ſchallend, 4 daß Angelo ſich unwillkürlich erſchreckt umſah, ob Nee: mand in der Nähe ſei,„ich bin ein ehrliches Kind und fürcht' mich vor keinem Herrn Baron, der gar keiner iſt!“ Angelo lächelte jetzt über ſich ſelbſt— er glaubte des Räthſels Löſung gefunden zu haben. Alles das
konnte ja nur ſeinem illegitimen Bruder gelten. Er p ſagte daher etwas freundlicher:
„Du irrſt Dich in der Perſon, Reſ'l. Du haſt 3 die Mittheilungen Deines Vaters durch einander ge⸗


