Teil eines Werkes 
1. Band (1874)
Entstehung
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den ein unnatürliches Kind gegen ſein eigenes Blut zu Hülfe gerufen hat, aber um Gnade bitten— nein! Der königliche Ausſpruch verurtheilt mich und diejenigen, die ich auf Erden am liebſten habe, zur Schmach; die königliche Gnade kann uns die Ehre nicht wiedergeben.“

Hermann von Tondern wandte ſich in heftiger Bewegung an die hohe bleiche Frau an ſeiner Seite, die erſtarrt und thränenlos der Scene beigewohnt, und ergriff ihre Hand.

„Mein Weib, Du haſt es gehört, was ſie ſagen, daß das Band, welches uns zwanzig Jahre lang vereinigte, zerriſſen ſei, daß es ein Verbrechen war, wie wir dieſe lange Zeit treu und redlich zuſammen⸗ hielten, wie ſelten zwei Menſchen. Ein Jüngling, der geſtern den Thron beſtiegen, entſcheidet mit einem Federzuge eine Frage, welche ſeinem Vater, meinem erlauchten Freunde, manche Stunde der Sorge bereitet. Wie dem auch ſei, wir müſſen gehorchen; ſie kön⸗ nen uns von einander ſcheiden; aber zur Unehre kön⸗ nen ſie uns nicht verdammen, ſolange wir ſelber uns nicht untreu werden, Clotilde!“

Und der Freiherr, unfähig, den immer heftiger werdenden Stößen ſeiner eigenen Bruſt zu widerſtehen, neigte das Haupt nieder zur Schulter der Gattin und