Teil eines Werkes 
1. Band (1874)
Entstehung
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roſenroth und ſchmal, daß ſie unmöglich beſtimmt ſein konnten, die nicht unſchöne, aber immerhin männlich kräftige Fauſt des Oberſtſtallmeiſters zu bekleiden. Dieſer verharrte nach dem Eintritt der beiden Marſtallbeamten einige Minuten, wie es ſchien, in ſprachloſer Verwunderung in ſeiner vorigen Stellung, das heißt, liegend auf dem Sopha, deſſen ſtilvolle, aber etwas unbequeme Gothik er durch einige unter Kopf und Rücken geſchobene Pelze und Mäntel einem modernen Bedürfniß entſprechender geſtaltet hatte. Der Oberſtſtallmeiſter trug einen Schlafrock von leichtem blauem Plüſch, der ſeine Geſtalt faſt vollſtän⸗ dig einhüllte, bis auf den unterſten Theil der weißen Kaſchmirbeinkleider mit breiten goldenen Galons, wie ſie von den höchſten Hofchargen zu Gala und Vor⸗ ſtellungen getragen wurden; ein eleganter Lackſtiefel

ruhte auf der geſchnitzten Lehne und der zierliche Stahl⸗

ſporn des andern bohrte ſich tief in den rothen Da⸗ maſt des Sophas.

Der Oberſtſtallmeiſter war noch jung, kaum dreißig Jahre; ſein von blonden kurzgeſchnittenen Haa⸗ ren umrahmtes rundes Geſicht war vielleicht etwas zu voll und zu lebhaft gefärbt, die kaum über Mittel⸗ höhe reichende Geſtalt zu kräftig, um mit allem Rechte für ſchön zu gelten; die Schnellkraft jedoch, mit