Teil eines Werkes 
2. Band (1875)
Entstehung
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Kreuz ohne Inſchrift zierte das von immergrünen Büſchen umwucherte Grab; aber auch dieſes Abzeichen unter⸗ ſchied ſich in wenigen Tagen kaum noch von der leich⸗ ten Schneedecke, welche bald darauf weit und breit die Ebene und auch den Park von Lorin überzogen hatte.

Unter der Dienerſchaft von Schloß Lorin herrſchte eine halb ſchläfrige Regſamkeit. Die Ankunft des Grundherrn war angekündigt und Graf Ketlan ſtand im Begriff abzureiſen, um das Schloß für lange Zeit, vielleicht für immer zu verlaſſen.

Er hatte von ſeinen Verwandten, mit Ausnahme Jolanthens, in herzlicher, von Gertrud in achtungs⸗ vollſter Weiſe Abſchied genommen und war nun noch einmal in ſeine Wohnung zurückgekehrt, um ſich für die winterliche Fahrt zu rüſten. Doch in der Mitte des Zimmers blieb er wie in unangenehmſter Ueber⸗ raſchung ſtehen. Denn auf der Schwelle zum Neben⸗ gemach erſchien Jolanthe in tiefſchwarzer Kleidung, blaß und abgezehrt und um ein Jahrzehnt gealtert, und nur in den dunklen Augen glühte noch ein ver⸗ zehrendes Feuer.

Du gehſt auf Nimmerwiederkehr! ſagte ſie dumpf.

Ja!