Zweites Kapitel.
Nach jener Unterredung glich die Anweſenheit Ger⸗ trud's im Schloſſe in der That einer Art Gefangen⸗ ſchaft. Durch ſtillſchweigendes Uebereinkommen wurden ihr die Mahlzeiten auf dem Zimmer ſervirt; den Fa⸗ milienverſammlungen im Billardzimmer hielt ſie ſich natürlich fern. Um keinem der Familienglieder zu be⸗ gegnen und keinen neuen Verdacht zu erregen, blieb Gertrud meiſt in ihrer Wohnung; nur gegen Abend, wenn ſie Alles bei Tiſche wußte, eilte ſie in den ver⸗ borgenſten Winkel des Parks. Dort, auf einer alten Steinbank, unter einer großen überhängenden Trauer⸗ weide, deren Zweige wie ein grüner Schleier bis auf die Erde reichten, dachte ſie über ihr ſeltſames Geſchick nach. Sie zweifelte nicht, daß die erſte Unterredung
der Baronin mit dem Bruder ihre Lage klären und 2 △


