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Novellen / von Dr. Siegmund Schlesinger
Entstehung
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Poſaunentoͤne die entgegengeſetzte Seite herauf, und ſchwarzumhuͤllte Fackeln ließen ſich von ferne ſehen. Es war ein Leichenzug!

Die Hochzeiter ſtutzten, und ſchon wollten ſie um⸗ kehren, denn der Aberglaube jener Zeiten ſah ein boͤſes Zeichen in dieſer Begegnung; allein der alte Graf, der jede neue Verzoͤgerung fuͤrchtete, beſtand darauf, ſich nicht irre machen zu laſſen. Zwiſchen dieſen Reden war der Leichenzug immer weiter heraufgekommen, und man konnte den Sarg in der Naͤhe erblicken. Ein einfaches ſchwarzes Kreuz, und das zerbrochene Wap⸗ pen der Caſtel Franco waren obenauf zu ſehen. Sechs ſchwarz gekleidete Juͤnglinge trugen ihn, und hinten⸗ nach wankte, todtenbleich der alte greiſe Vater und Spoleto, um ſo dem deſignirten Eidam die letzte Ehre zu erzeigen. Jetzt waren ſie bei den Hochzeitern. Die rauſchenden luſtigen Toͤne, waren wie ehrerbiethig vor der Macht der Trauer verſtummt, und die klagenden Poſaunen allein blieſen ihr erſchuͤtterndes Miſerere. Da, ploͤtzlich blitzte ein Degen in der Luft, und der alte Caſtel Franco ſtand vor Vanezziz ſeine Bruſt hob ſich gewaltig, ſein Auge gluͤhte furchtbar; er bebte wie ein Eſpenlaub.

Habe ich dich, alter Süͤnder? rief er ſtark, ei! Hochzeit um Hochzeit, Du haſt mir bei der meinigen aufgeſpielt, ich will's vergelten 1