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Novellen / von Dr. Siegmund Schlesinger
Entstehung
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ſie hatte ihn erkannt, und konnte nimmer zu ſo ſchnoͤdem Betruge ihre Einwilligung geben; allein wer ſtand dafuͤr, daß nicht der alte Vanezzi durch Dank⸗ barkeit zu dem Wunſche einer Verbindung ſeiner Toch⸗ ter mit Alberti geleitet werden duͤrfte, ein Wunſch, der ſo nahe lag, da ſein Rang wie ſein Reichthum ihn zu einer ſogenannten hoͤchſt vortheilhaften Parthie machten! In toͤdtlicher Furcht beſchloß nun Giovani alles aufzubieten, um ſeine Anſpruͤche zu verfechten. Zwei Tage ſpaͤter kam er an der Kirche des heili⸗ gen Antonio voruͤber, und da eben Meſſe geleſen wurde, ſo trat er hinein, und kniete unter den uͤbrigen An⸗ daͤchtigen vor dem Hochaltare nieder. Eine Dame, welche mit einer aͤltlichen Frau dicht neben ihm kniete, ließ ihren Roſenkranz fallen, den er ſchnell aufhob; ſie buͤckte ſich ebenfalls und ihre Stirne beruͤhrte ſeine Wange. Er zog ſich verwirrt zuruͤck, und erkannte zu ſeinem großen Entzuͤcken ſeine geliehte Bianca. Sie zog ihren Schleier feſter um das Geſicht, und ſchien von ganzer Seele dem Gottesdienſte anzuhoͤren. Als Bianca aufſtand, erhob ſich auch Giovani, aber eine leichte Verbeugung bedeutete ihm, zuruͤck zu blei⸗ ben, und ihr nicht zu folgen. Giovani beſuchte jetzt oͤfters die Kirche des heiligen Antonio; Bianca war zwar nicht immer dort, aber wenn ſie erſchien, wurde er ſtets mit einem Blicke, oft mit einem Worte