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Novellen / von Dr. Siegmund Schlesinger
Entstehung
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ſchen, etwa Linnée und Newton ausgenommen, in ihrem Jugendfruͤhling, entweder von dem gruͤnenden Weinſtocke des Lebens, oder von dem oft verdorrten Blatte des Romans geleſen haben, naͤmlich, ich flog nach Hauſe, als haͤtte mich weiland Huskinſon mit einem Dampfwagen eskortirt, und konnte die ganze Nacht nicht ſchlafen, weil in der erſten Liebe keine Finſterniß, keine Daͤmmerung, ſondern immer lauter helles, ſtuͤrmiſches Tagesentzuͤcken geboren wird. Ich ſchleuderte funkenſpruͤhende Sonette, die vermoͤge ihrer Holprigkeit, in jedem deutſchen Muſenalmanache haͤtten prangen moͤgen, ich weinte Elegien, und jeder Athem war ein Wehmuthlied. Das entfeſſelte Gefuͤhl der Liebesſehnſucht erfaßte mich ſchmerzlich⸗betaͤubend, und zog mich, wie einen Mondſuͤchtigen, in den Brenn⸗ punkt ſeines Strahles, und im ſeligen Halbſchlummer tauchten fremde Kraͤfte auf, faſt wie unheimliche Ge⸗ ſpenſter der Mitternacht.

So pilgerte ich zur ſchicklichen Stunde mit bren⸗ nenden Augen, klopfendem Herzen und kaum pulſirendem Muthe in den Tempel, wo mein zweiſpaltiger Geiſt ſeit einer Zwoͤlf⸗Stunden⸗Ewigkeit den Prieſterdienſt vor dem Altare der Liebe verrichtete. Man ſchien mich bereits zu erwarten. Als ich durch eine Reihe von Zimmern dahinſchritt, ach, da prallte mein Auge troſtlos zuruͤck von all' der glaͤnzenden Pracht um mich