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Novellen / von Dr. Siegmund Schlesinger
Entstehung
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die ſchmalen Scheibchen, als wollte ſie mich demuͤthig um Erlaubniß bitten, mich erleuchten zu duͤrfen, wie es denn manchem wackern Hofmeiſter nicht beſſer zu gehen pflegt. Aber die Demuth waͤhrte kurz. Hoͤhnend fielen ihre Strahlen auf die glanzloſen und daher et⸗ was furchtſamen Mitbewohner meines Pallaſtes, einen alten zerbrochenen Tiſch, einen ironiſch⸗wehmuͤthigen Seſſel, einen pythiſchen Kaſten und auf den alten Ci⸗ cisbeo aller Schoͤnen, den Spiegel, deſſen Antlitz jedoch wahrſcheinlich der Verdruß uͤber die unwirthſchaftliche Wirthſchaft eines Junggeſellen mit dichten Wolken uͤberzogen hatte. Ich aber, der gluͤckliche Beherrſcher, ſah meine gebildeten Unterthanen die ſtolzen Strahlen noch ſtolzer zuruͤckwerfen. Ich ſaß, nach tuͤrkiſcher Art, auf einem Schemel und breitete meine Arme aus, aber nicht nach der Sonne und ihren Strahlen, ſondern ich naͤhte, ſo die Offenherzigkeit meines ſchwarzen Frackes und meiner Beinkleider verbeſſernd. Die Glocke ſchlug ein Uhr. Ich erhob mich von meinen Katheder, und machte aus der reinen Theorie eine angewandte, d. h. ich huͤllte meinen edlen Koͤrper in die reformirten Gewaͤnder. Zum erſten Male in meinem Leben(wer wird mir's glauben?) ward ich ein Geck. Ich kraͤuſelte mein lichtblondes Haar, ich glaͤttete mein Antlitz, ich warf mich den reflectirenden Stuͤckchen eines einſtigen glanzvollen Damentoiletten⸗