mich viel reicher bedacht biſt als ſie Dich jetzt hätte bedenken können.“
„Woher weißt Du das Alles ſo genau?“ fragte ich ohne eigentliche Ueberlegung, vielmehr nur um in meinem ſtumpfen Gefühle eine meinen Kummer ab⸗ lenkende Frage zu äußern.
„Ich kam zufällig hinzu, als ſie ihr Teſtament machte,“ erwiderte der Fürſt.„Man hatte auf ihr Verlangen raſch Anſtalten dazu getroffen. Doctor Hünerbein, her ſie behandelte, ward zum Teſtaments⸗ vollſtrecker ernannt, und er wird Dir in dieſen Tagen das Nähere darüber mit den nöthigen amtlichen Be⸗ richten mittheilen. Ich ſage Dir nur, was ich weiß und was mir Deine Mutter ſelbſt ſagte.“—
Zwei Tage war ich nach Empfang dieſer Nach⸗ richt zu jeder Arbeit unfähig und ſie verbitterte mir die ſo lebhaft erſehnte Rückkehr meines Freundes. Während dieſer Zeit durchging ich in Gedanken das eigenthümliche Verhältniß, welches zwiſchen mir und meiner Mutter obgewaltet. Wir hatten eigentlich nicht viel Genuß von einander gehabt, und doch hat⸗ ten wir uns, namentlich in meinen Kinderjahren, ſo überaus zärtlich geliebt. O wie gern hätte ich, ſie jetzt noch einmal geſehen, ſie noch einmal an mein Herz gedrückt! Aber dieſer Wunſch kam nun zu ſpät.


