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des Sängers Lied und wie fortgeriſſen von der ſtür⸗ miſchen Sehnſucht ſeiner Töne trat er hervor aus dem Laub und zu Virginia's Fenſter empor klang metall⸗ rein und klingend ſein rührendes:„Addio!“
„Pietro!“ murmelte die Gräfin und trat erſchreckt vom Fenſter zurück, obſchon ſie ſeit den erſten Tönen geahnt, wer der Sänger war und wem das Lied galt. 4
Aber mit der lauen Luft der Herbſtnacht ſtrömten die leidenſchaftlich ſchönen Töne ihr berauſchend in's Zimmer nach.
Da hörte Virginia wie dicht neben ihr die Bal⸗ conthür geöffnet wurde. In den benachbarten Zimmern wohnte die ruſſiſche Fürſtin, welche ſelbſt von den ſpleeniſchen Engländern ſorgfältig vermieden wurde, ſich aber deſſen ungeachtet für den natürlichen Mittel⸗ punkt der kleinen Geſellſchaft anſah und daher auch den Geſang unter ihren Fenſtern für ein eigens zu ihrer Abendunterhaltung veranſtaltetes Concert halten mochte. In ihrem hellen Nachtgewande ſtand ſie auf dem Balcon und lehnte ſich über das Geländer und nickte beifallſpendend mit dem bejahrten Haupte im Mondſchein und winkte mit der Hand.
Wie überraſcht ſchaute der Sänger einen Augen⸗ blick empor, dann verſchwand er im Schatten der dem


