Teil eines Werkes 
2. Band (1876)
Entstehung
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giebt, als den mit der öffentlichen Meinung, mag dieſe im Rechte ſein oder nicht, und daß es für die treueſte Aufopferung des kühnſten und feſteſten Mannes ein vergebliches Bemühen wäre, eine falſche Beurthei⸗ lung ſeiner Frau durch die Menge zu verbeſſern, welche jene ſelbſt durch eine weiſe Beſchränkung leicht hätte vermeiden können.

Virginia ſah in dem Geflüſter der Leute bei der heutigen Tafel, in ihren indiscreten Blicken nur den finſteren Geiſt ihrer Ehe, der ſie bis in dieſen Ge⸗ birgswinkel verfolgte und ſie auch hier noch marterte.

Virginia war ſehr unglücklich. Da dachte ſie an

die Blicke faſt abgöttiſcher Verehrung, mit welchen der junge Bauer ſie betrachtet hatte. Sie fühlte keinen Zorn bei den nicht mißzuverſtehenden Beweiſen einer jede Rückſicht verachtenden grenzenloſen Hingebung. Wie ſtolz hatte der junge Bauer dageſtanden und

hatte, mit geſpannter Aufmerkſamkeit ihrer Befehle

harrend, die Gaffer, die ihn umſtanden, keines Blickes gewürdigt. Sie war Weib genug, um zu fühlen, daß Pietro Moro mit geſchloſſenen Augen ihre Befehle vollziehen würde, und wenn ſie ihm Schande und Tod brächten und jeden ihrer Wünſche höher ſtellen als göttliches und menſchliches Gebot...