27
ſtehe, wie ſie ſelbſt. Sie iſt launiſch, abſprechend und eigenwillig geworden in Dingen, wo ich nur um ihrer ſelbſt willen widerſprechen muß; und was mir am weheſten, ja vielleicht allein wehe thut, ſie ſucht es vor den Damen, in deren Hauſe wir uns befinden, nicht zu verbergen, daß ſie mich für geringer hält, wie ſie ſelbſt.— Das iſt nicht edel, fürchte ich. Wahrhaftig, ich traure nicht um die Zurückſetzung, die ich ſelbſt er⸗ fahre, mich ſchmerzt nur die Verirrung, in der ich
Erna's Herz befangen ſehe und daß wir nicht mehr Schweſtern ſind, wie früher.
Und doch vielleicht bin ich es, die ſich verändert hat in dem fremden Hauſe, vielleicht iſt es Neid, der häßlichſte Neid, der mich jedes Zucken ihres Mundes übelnehmen, in jedem Wort eine Demüthigung hören läßt. In einem Augenblicke halte ich mich für gren⸗ zenlos mißhandelt, im andern, wenn Erna mir, viel⸗ leicht aus Zufall, freundlich zulächelt, erſcheine ich mir als die undankbarſte bösartigſte Creatur unter der Sonne. So eben jetzt wieder, da ich dieſe Zeilen ſchreibe und Erna von dem Schnee, der heute Nacht fiel, einen Ballen an's Fenſter wirft um mich zu necken... Und gegen dies Kind bin ich hart und
. da— der Hofhund bellt!— Sie wirft auch ihn mit dem friſchen Schnee... Mein Troſt verſagt...


