Teil eines Werkes 
1. Band (1876)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

225

dunkel und unbewegt und einzelne Gruppen Schilf und Röhrich ragten geſpenſterhaft daraus hervor. Am öſtlichen Himmel dämmerte ein bleicher gelber Schein und weiße Wolkenmaſſen ſchoben ſich um die in finſteren, unbeſtimmten Umriſſen verſchwimmenden Berge.

„Bis Mittag wird das Waſſer ſich ſoweit ver⸗ laufen haben, daß Sie wagen können, Ihr Gefäng⸗ niß zu verlaſſen“, ſagte der Schloßherr mit einem forſchenden Blick in Roſe's überwachtes Geſicht,— es verrieth ihm Nichts, weder Ungeduld noch Freude, und ſchweigend kehrte der junge Mann in's Gemach zurück. Als Roſe eintrat, ſah ſie, daß er ihr mit viel Geſchick eine Art Ruhebett zuſammengeſtellt hatte.

Der Onkel ſchlief noch immer und murmelte eben im Traume:„Fliegenophyrs— Spinnenophrys— alle acht...

„Hierher ſetzen Sie ſich, Fräulein Roſe, und ver⸗ ſuchen, zu ſchlafen“, beſtimmte der Schloßherr in

einem Tone, der keinen Widerſpruch zuließ.„Ich

gehe unterdeß, um mich zu überzeugen, wie weit das Waſſer gekommen iſt. Vielleicht iſt es ſeichter, als es zu befürchten war.“

Gehorſam wie ein Kind ſetzte Roſe ſich auf das

improviſirte Lager. Der Schloßherr hüllte ſie in die v. Schlägel, Deutſch und Wälſch. I. 2 15