Teil eines Werkes 
2. Theil (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

210

Wir ſehen ihn nach zehn Jahren zum erſten Male⸗ wieder. Dieſe Jahre ſind ſpurlos an ihm vorübergezogen. Jetzt, wie er ſo hinter ſeinem Herrn ſtand und jede Vewegnng deſſelben deeachten ſpiegelte ſich die Unruhe des Männchens auch in ſeinen Zügen ab.

Ein Miethfuhrwerk hielt vor dem Hauſe. Der Graf

Karl ſchickte ſich an, in dieſen Wagen zu ſteigen. Schwarz war eine Stunde früher bei ihm in der Wohnung geweſen und hatte ihm die beſtimmte Nachricht ge⸗

bracht, daß ſein Vater ihn erwarte. Dann hatte ſich der

Sekretär unter einem Vorwande entfernt, ohne gerade anzu⸗ geben, wohin er gehe. Es war ſomit von ſeiner Seite das geſchehen, was zwiſchen ihm und der Stiefmutter Karls war beſprochen worden, was Bülow erlauſcht hatte.

Zeigten ſich der Onkel Mondſchein und ſein langer

Diener unruhig, ſo deuteten dagegen die Züge Karls

an, diß er ſich in freudig gehobener Stimmung befinde. Wie lange hatte er den Augenblick erſehnt, in dem es ihm geſtattet ſein dürfte, ſich mit ſeinem Vater auszu⸗ ſöhnen. Ihn leitete bei dieſem Wunſche keine ſelbſtſüch⸗ tige Rückſicht, ſondern einzig das kindliche Gefühl. Karl gickte ſich nun an, ſich von dem Onkel zu verabſchieden, den Frieden im Herzen. 3 Der Onkel dagegen zagte. Eine Angſt, von der er ſich keine Rechenſchaft zu geben vermochte, erfüllte ihn.