18
„Nein. Ich miethete mir bei einer anſcheinend ſehr braven kleinen Familie ein beſcheidenes Zimmer. Die Wohnung gehört einer ſteinalten Frau, oder eigentlich ihren Enkelinnen,— zwei junge Mädchen, die einen kleinen Laden halten, und ſich ſowie die Großmutter durch einen Zwirnhandel ernähren.“
Bülow blickte eigenthümlich lächelnd auf ſeinen neuen Freund.
„Ei,“ ſcherzte er,„Sie werden in unmittelbarer Nähe zweier und vermuthlich ſehr hübſcher junger Mäad⸗ chen wohnen? Sie wählten ſich jedenfalls ein ange⸗ nehmes, aber auch wohl gefährliches Logis! O, Sie ſind ein Feiner, ungeachtet Ihres Ernſtes und Ihrer ſtoiſchen Ruhe, mein lieber Walter!“
„Sie irren,“ erwiderte dieſer ohne eine Miene zu verziehen, denn der Scherz des jungen Mannes ſchien ihm nicht zu gefallen,„das Benehmen und Ausſehen beider Mädchen hat mich von ihrer Rechtſchaffenheit überzeugt. Und mich werden Sie doch nicht für einen gewiſſenloſen Verführer halten, Herr Baron?“ 4
Bülow konnte nicht umhin, hell aufzulachen.
„Weiß Gott, mein Lieber,“ rief er,„Sie ſind ein ſeltſamer Chriſt! Sie nehmen meine luſtige und freilich etwas frivole Bemerkung mit einer Würde und Ernſthaftigkeit auf, daß man glauben ſollte, Sie ſeien


