Teil eines Werkes 
2. Theil (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

ſeine Jugend unläugbar vielſeitigen und ſchätzenswerthen Kenntniſſen, alles Eigenſchaften, die man, beiläufig be⸗ merkt, nicht immer der Jugend unſerer Tage nach⸗ rühmen kann, die Sprödigkeit der Natur Walter's und ſelbſt in gewiſſem Grade die gewöhnliche Verſchloſſenheit desſelben beſiegt.

Vor Allem aber feſſelte ihn an den jungen Mann jenes Etwas, das nie verfehlt, auf eine in wechſel⸗ vollen Schickſalen gereifte Natur einen, wenn auch mit⸗ unter wehmüthigen, doch immer wohlthuenden Eindruck hervorzubringen, jene liebenswürdige Sorgloſigkeit, das Vorrecht der ſtrahlenden Jugend, und jene uneigennützige Hingebung an alles Große und Schöne, mit einem Wort jenes gläubige Vertrauen auf die ſittliche Kraft des Göttlichen in ſich und der ringsum ſtrebenden und ringenden Menſchheit Bülow nannte dieſes ſchöne Vor⸗ recht noch das ſeine, wenngleich es ihm gefiel, ſich den Anſchein zu geben, als beſitze er es nicht mehr. Er beſaß vielleicht mehr Erfahrung, als ihm Walter zutrauen mochte, denn er hatte einige Länder und Völker ge⸗ ſehen, ihren Glanz und ihr Elend, und war als früh⸗ reifer Jüngling mit den zweifelhaften Freuden einer raffinirten Geſellſchaft vertraut geworden. Aber der edle Inſtinct ſeiner poetiſchen Natur hatte ihn bald der grobſinnlichen Sphäre entfremdet, deren Berühren ſo