Teil eines Werkes 
2. Theil (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

48

als Vorſtandsmitglied aufgenommen zu werden. Stahl hatte, was er ſonſt niemals gethan, am Sonntag die Kirche beſucht, und ſogar dreierlei Gebetbücher mitge⸗ nommen. Und das alles ſollte jetzt vergeblich geſchehen ſein? Stahl knirſchte mit den Zähnen in höhniſchem Trotz und ballte die Fäuſte, wie er das ſo überdachte.

„Ich werde keinen Zoll breit weichen!“ ſagte er ſich.—„Ich hefte mich an die Sohlen dieſer Fervals, und werde endlich ſiegen! Ausdauer und Schlauheit führen doch endlich bei Allem zum Ziel!“

Stahl ſprang auf. Er fühlte ſich neubelebt durch die Energie ſeines Willens. Sein flammernder Blick fiel auf die gegenüberliegende Wand, und blieb an einem Madonnenbilde haften, das dort hing, wo ſich noch vor acht Tagen eine Kopie der Tizian'ſchen Venus befunden hatte. Er lächelte.

„Ich wäre ein Thor,“ murmelte er vor ſich hin,

„wollte ich nicht ferner noch eine Weile Komödie ſpielen; es wird mir immer noch nützlich ſein, bis ich an jenes Ziel gelangt bin, das ich mir vorgeſteckt habe!“

Da bis zwölf Uhr noch eine halbe Stunde verge⸗

hen mußte, ſo begab ſich Stahl in ſein Bureau, das,

wie früher angedeutet worden, ſich in einem der Seiten⸗ trakte neben den Fabriksſälen befand. Vor dem Arbeits⸗