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wahrte. Dort legte er ſie ſanft nieder und ſank von Neuem neben ihr auf die Kniee.
An dieſer freien Stelle des Gehölzes herrſchte weniger Dunkelheit; der Mond, welcher am Himmel ſtand, hatte bereits an Leuchtkraft zugenommen, ſein bleicher Dämmerſchein machte ſich mehr und mehr gel⸗ tend, beglänzte die Wipfel der Bäume und begann hier und dort das Laub des Unterholzes zu durchflimmern. Auch über den Raſenhügel lag der ſchwache Schimmer ausgebreitet und erhellte matt die Züge der Ohnmäch⸗ tigen und ihres Helfers.
Dieſer war ein junger wohlgekleideter Mann von ungefähr achtundzwanzig Jahren. Seine Züge waren augenblicklich durch entſetzliche Angſt um die Beſinnungs⸗ loſe entſtellt.
Aber ſo groß auch ſeine Aufregung ſein mochte, fehlte ihm doch nicht die Geiſtesgegenwart.
Sein haſtiger Blick flog prüfend über die regungs⸗ los Daliegende.
„Gelobt ſei Gott,“ flüſterte er—„Ich ſehe nir⸗ gend Blut— ſie iſt nicht verwundet!— Und könnte—“
Er vollendete nicht ſeinen Satz, ſondern öffnete in fieberhafter Eile das Kleid der jungen Frau. Dann zog er ein Taſchenmeſſer hervor und durchſchnitt raſch die Schnüre ihres ohnehin leicht angelegten Mieders.


