34
den Soldaten keinen Werth, der Blick, das Beifallslächeln des Feldherrn den höchſten, einzigen. Eine Musketenkugel tödtete den tapfren Hierges; rechts und links fielen die Krieger. Aber die Brücke wurde vollendet, das Geſchütz über dieſelbe geſchafft, das Ravelin der Belagerten erſtürmt. Nun hatten dieſe nur noch ein Werk, hinter welchem ſie ſich vertheidigten. Die Stadt war in äußerſter Gefahr; Pulver und Brot gingen zur Neige, zwei Drittel der Beſatzung waren gefallen,— die Uebrigen, es für unmöglich achtend, Maaſtricht noch länger zu halten, zu einer Kapitulation geneigt. Farneſe wußte dies Alles(durch einen Ueberläufer) und ſchrieb den Bewohnern am 5. Juni,„es ſei für ſie nunmehr hoch an der Zeit, an einen Vergleich zu denken, welchen er ihnen jetzt noch bewilligen würde.“ Aber Bürger und Bauern, Frauen und Knaben hatten geſchwo⸗ ren, bis zum letzten Augenblick ehrenhaft und treu bei einander auszuharren; auch die Soldaten gewannen neuen Muth, und Farneſes Aufforderung fand eine ſtolze Antwort.
Inzwiſchen hatten die Maaſtrichter dem Erzherzog und dem Prinzen von Oranien ihre bedrängte Lage kund gege⸗ ben und um Hülfe gebeten. Mit großem Eifer ſuchten auch Beide die Staaten zu einem Entſatz zu bewegen und Hol⸗ land lieferte bereitwillig Geld, Truppen, Proviant und Mu⸗ nition. Aber die Staaten im Allgemeinen waren(ſelbſt von verſchiedenen Seiten bedrängt und beſonders durch die Wallonen bedroht,) uneins und unſchlüſſig; ſie ſetzten ihre beſte, ja, faſt ihre einzige Hoffnung auf die Vermittlung des Friedens⸗ kongreſſes zu Köln. Thörichter Wahn! Von dort, wo Phi⸗ lipps II. Geſandter ſtolz das Wort führte, war keine Rettung für Maaſtricht zu hoffen; dort hieß es kurzab:„der Krieg iſt Far⸗ neſes Sache; er allein kann entſcheiden.“ Einen beſſeren Troſt als durch die Staaten erhielten die Maaſtrichter von


