—
341
ten zählte kaum achttauſend Mann zu Fuß und zweitauſend zu Roß und hielt ſich zwiſchen Rimenant und der Demer in der Gegend von Mecheln auf; es erwartete deutſche Hülfs⸗ truppen, welche der Pfalzgraf Johann Kaſimir herbeiführen ſollte. Don Juan wußte dieß und beſchloß das Heer der Staaten anzugreifen, bevor es ſich mit den Deutſchen vereinigen könne. Sein Herz brannte nach Kampf und vergeblich rieth ihm der beſonnenere Alexander Farneſe davon ab. Sah doch Don Juan das Zeichen des Kreuzes auf ſeinem wallenden Banner, las er doch darauf die Schrift:„Durch dies Zeichen überwand ich die Osmanen und werd' ich die Ketzer überwin⸗ den!“ Hatte er doch auch die Uebermacht,— zwölftauſend Mann zu Fuß und viertauſend zu Roß. Heftig waren Angriff und Widerſtand an jenem Tage(dem 1. Auguſt); doch keiner von beiden Gegnern konnte ſich des Sieges rühmen. Dies war für Don Juan in ſeiner aufgeregten Stimmung ſo viel wie ein Verluſt, und auch das Heer der Staaten betrachtete es als einen ſolchen, da ſich Don Juan gegen Namur zurückzog.
Wir müſſen jetzt unſre Aufmerkſamkeit auf jene zwei Präten⸗ denten wenden, deren wir bereits öfter erwähnten. Es ſind Franz von Valois, Herzog von Alengon und Anjou, auf der einen Seite, und der Pfalzgraf Johann Kaſimir auf der anderen; ſie vertreten das katholiſche und das proteſtan⸗ tiſche Intereſſe; jeder findet im Sturme religiöſer Zwietracht Sympathieen für ſich, aber keiner von beiden ſcheint uneigennützig genug, um blos den Bedrängten helfen zu wollen; jeder ſcheint vielmehr an eine Herrſchaft zu denken, die er ſich erſt erobern ſoll. Angeblich für einen und denſelben Zweck, für die Rettung der Niederlande, betreten beide den niederländiſchen Boden, und ſtehen ſich einander dennoch als Feinde gegenüber. Oraniens klarer und wachſamer Charakter verliert ſich bei dieſen Wirren


