Teil eines Werkes 
1. SupplementbandGeschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande : 1. Band (1841) Von der Ankunft Alba's in den Niederlanden bis zum Tode Don Juan's von Oesterreich : 1567-1578 / fortgesetzt von Eduard Duller
Entstehung
Einzelbild herunterladen

304

des Adels fanden ſich damals in Gent zuſammen. Bei Ge⸗ legenheit des Antritts ſeiner Statthalterſchaft hatte Aerſchot den Bürgern Gents, um ſich bei ihnen beliebt zu machen, die Wiederherſtellung ihrer alten wichtigen Vorrechte verſprochen. Aber es ſchien nicht, als ob er Luſt habe, dieſes Verſprechen zu halten. Um ſo heftiger ſah er ſich von Tag zu Tag von dem Volke daran gemahnt. Schon in früheren Zeiten hatte ſich in Gent die überwiegende Kraft des demokratiſchen Prinzips gel⸗ tend gemacht; jetzt waren noch mehre Urſachen hinzugekommen, um demſelben eine höhere Intenſität zu verleihen; zuvörderſt der Einfluß des Kalvinismus, den Manche nicht aus reli⸗ giöſer Ueberzeugung, ſondern rein aus Nationalhaß angenom⸗ men hatten, weil ſie mit den Spaniern auch nicht einmal die Religion gemeinſam haben wollten,— ſodann der Einfluß der zurückge kehrten Auswanderer, welche ihre in der Fremde geſchärfte Erbitterung mitgebracht hatten, und endlich der Einfluß zweier Männer, welche befähigt waren, an die Spitze einer Volksbewpegung zu treten und eine ſolche zu leiten. Dieſe beiden Männer waren Johann von Hembyze und Franz von Kethulle, Herr von Ryhove. Jan van Hembyze, der Sohn eines Hauſes von gutem altem Adel, war um's Jahr 1513 zu Gent geboren; er hatte eine tüchtige Erziehung genoſſen und beſaß umfaſſende Kenntniſſe in der fremden Literatur; das Studium älterer politiſcher Conſtitutio⸗ nen hatte ſein Urtheil geſchärft, ſo wie er anderſeits mit den Reſſourcen und verſchiedenen Adminiſtrationen Flanderns, wo er ſchon häufig Magiſtratsſtellen beſeſſen, genau bekannt war. Lebhaften Geiſtes, beſaß Hembyze ferner eine raſtloſe Thätig⸗ keit, einen unbezwinglichen Ehrgeiz, keinen Höheren über ſich zu dulden, eine durchdringende Beredtſamkeit fürs Volk, und eine Gewiſſenloſigkeit in der Wahl der Nittel, welche ihm zur

I