26
Ludwig, zur Schlacht gegen ihn. Vergeblich ſuchte Aremberg, des ungünſtigen ſumpfigen Terrains kundig, ſie zu beruhigen; jeder vernünftige Grund, welchen er ihnen entgegenhielt, ſteigerte nur ihren Ungeſtüm; ſie mißtrauten ihm, als einem gebornen Niederländer, und vergaßen ſich ſoweit, daß ſie laut ſeine Maß⸗ regeln einem heimlichen Einverſtändniß mit dem Feinde beimaßen, ja ihn eines Verraths an Glauben und König bezüchtigten. Dadurch gereitzt, fügte ſich Aremberg dem Wunſche des Heeres, wider ſeinen Willen und ſeine beſſere Ueberzeugung. Graf Lud⸗ wig von Naſſau, davon benachrichtigt, ſtellte ſeine Schaaren beim Kloſter Heiligerlee in Schlachtordnung, und griff mit einem geringen Theil ſeiner Reiterei raſch die ſpaniſche Vorhut an, bevor ſie Zeit hatte, ſich zu ſammeln. Ein zu rechter Zeit beginnendes Feuer von Hackenſchützen, welche Ludwig in einen Hinterhalt gelegt hatte, führte die Entſcheidung herbei. Die feindlichen Reiter eilten gegen das Fußvolk ihres eigenen Heeres zurück und brachten Verwirrung in deſſen Reihen. Jetzt gebot Ludwig allgemeinen Angriff, und bald war die Flucht der Spanier entſchieden. Eine Abtheilung derſelben eilte nach dem Kloſter Heiligerlee, worin ſie ſich vertheidigen wollten; doch die Sieger erſtürmten es. Furchtbar ließen dieſe ihre Rache an den gefangenen Spaniern aus; nur die Niederländer und die Deutſchen im feindlichen Heere wurden verſchont. Graf Arem⸗ berg und Graf Adolf von Naſſau blieben. Es war am 23. Mai 1568, als der niederländiſchen Freiheit dieſer erſte Sieg errungen wurde. Die Beute, welche in die Hände der Sieger fiel, war bedeutend; ſie gewannen die Kriegskaſſe, das Gepäck und ſechs Geſchütze aus Gröningen, welche die Namen der 6 Tonzeichen Ut, Re, Mi, Fa, Sol, La trugen. Dieſer günſtige Erfolg des erſten Wagekampfes gegen die ſpaniſche Tyrannei er⸗ füllte die Herzen der Unterdrückten allerorten mit Hoffnungen,


