Erſtes Kapitel.
Unter allen Thronen katholiſcher Fürſten hatte der römiſche Katholicismus, welcher ſich im Kampfe gegen die Fortſchritte der Reformation auf eine wahrhaft Staunen erregende Weiſe verjüngte, keinen zweiten zu einem ſo ſicheren, unerſchütterlichen Bollwerk, wie den ſpaniſchen. Auf dieſem Throne ſaß Phi⸗ lipp II., ein Mann, deſſen Charakter und deſſen Stellung in der Weltgeſchichte ebenſo eigenthümlich ſind, wie ſein Ausgang erſchütternd, ein Mann, der ſein ganzes Leben, mit allen Freuden, Hoffnungen und Schätzen, einem ihm als heilig gel⸗ tenden höchſten Zwecke aufopferte, der dieſem Zwecke, in der Ueberzeugung: recht zu handeln, Tauſende von fremden Leben hinſchlachtete,— und an deſſen Sarge die Nachwelt ſpricht: „Beide Opfer, das unblutige wie die blutigen, waren ver⸗ geblich!“ Um Philipps II. Charakter und Politik richtig zu beurtheilen, muß man ſeine religiöſe Ueberzeugung und ſeine Nationalität aufmerklſam betrachten; beide waren in ihm unlös⸗ bar verwachſen. Als ſtrenger Katholik konnte Philipp II. in jedem Andersgläubigen nur ein Weſen erkennen, welches ſich ſelbſt von der Gemeinſchaft aller Gnaden dieſſeits und jenſeits ausgeſchloſſen, für welches es nur eine einzige Rettung gab, nämlich die einer reuigen Wiederkehr in den Schooß der römiſch⸗ katholiſchen, alleinſeligmachenden Kirche. Als Spanier durch und durch beſaß er ſo viel von jener alten Ritterlichkeit der


