Teil eines Werkes 
11. Band (1838)
Entstehung
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ſtände aufmerkſam zu machen, welche es einſchraͤnken oder gar zerſtoͤren.

Zwei entgegengeſetzte Urſachen gibt die Erfahrung an, welche das Vergnuͤgen an Ruͤhrungen hindern: wenn das Mitleid ent⸗ weder zu ſchwach, oder wenn es ſo ſtark erregt wird, daß der mitgetheilte Affect zu der Lebhaftigkeit eines urſpruͤnglichen uͤbergeht. Jenes kann wieder entweder an der Schwaͤche des Eindrucks liegen, den wir von dem urſpruͤnglichen Leiden erhal⸗ ten, in welchem Falle wir ſagen, daß unſer Herz kalt bleibt, und wir weder Schmerz noch Vergnuͤgen empfinden; oder es liegt an ſtaͤrkern Empfindungen, welche den empfangenen Eindruck bekaͤmpfen und durch ihr Uebergewicht im Gemuͤth das Ver⸗ gnuͤgen des Mitleids ſchwäͤchen oder gaͤnzlich erſticken.

Nach dem, was im vorhergehenden Aufſatz uͤber den Grund des Vergnuͤgens an tragiſchen Gegenſtaͤnden behauptet wurde, iſt bei jeder tragiſchen Nuͤhrung die Vorſtellung einer Zweck⸗ widrigkeit, welche, wenn die Ruͤhrung ergoͤtzend ſeyn ſoll, jeder⸗ zeit auf eine Vorſtellung von hoͤherer Zweckmaͤßigkeit leitet. Auf das Verhaͤltniß dieſer beiden entgegengeſetzten Vorſtellun⸗ gen unter einander kommt es nun an, ob bei einer Ruͤhrung die Luſt oder die unluſt hervorſtechen ſoll. Iſt die Vorſtellung der Zweckwidrigkeit lebhafter als die des Gegentheils, oder iſt der verletzte Zweck von groͤßerer Wichtigkeit als der erfuͤllte, ſo wird jederzeit die Unluſt die Oberhand behalten; es mag dieſes nun objectiv von der menſchlichen Gattung uͤberhaupt, oder bloß ſubjectiv von beſonderen Individuen gelten.

Wenn die Unluſt uͤber die Urſache eines Ungluͤcks zu ſtark wird, ſo ſchwaͤcht ſie unſer Mitleid mit demjenigen, der es leidet. Zwei ganz verſchiedene Empfindungen können nicht zu gleicher Zeit in einem hohen Grade in dem Gemuͤthe vorhan⸗ den ſeyn. Der Unwille uͤber den Urheber des Leidens wird zum