Teil eines Werkes 
11. Band (1838)
Entstehung
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Nur Europa hat Staaten, die zugleich erleuchtet, geſittet und ununterworfen ſind, ſonſt uͤberall wohnt die Wildheit bei der Freiheit, und die Knechtſchaft bei der Cultur. Aber auch Europa allein hat ſich durch ein kriegeriſches Jahrtauſend gerungen, und nur die Verwuͤſtung im fuͤnften und ſechsten Jahrhundert konnte dieſes kriegeriſche Jahrtauſend herbeifuͤhren. Es iſt nicht das Blut ihrer Ahnherren, nicht der Charakter ihres Stammes, der unſere Vaͤter vor dem Joch der Unter⸗ druͤckung bewahrte, denn ihre gleich frei gebornen Bruͤder, die Turkomanen und Mantſchu, haben ihre Nacken unter den Deſpotismus gebeugt. Es iſt nicht der europaͤiſche Boden und Himmel, der ihnen dieſes Schickſal erſparte, denn auf eben dieſem Boden und unter eben dieſem Himmel haben Gallier und Britten, Hetrurier und Luſitaner das Joch der Roͤmer ge⸗ duldet. Das Schwert der Vandalen und Hunnen, das ohne Schonung durch den Occident maͤhte, und das kraftvolle Voͤlker⸗ geſchlecht, das den gereinigten Schauplatz beſetzte, und aus einem tauſendjaͤhrigen Kriege unuͤberwunden kam dieſe ſind die Schoͤpfer unſers jetzigen Gluͤcks; und ſo finden wir den Geiſt der Ordnung in den zwei ſchrecklichſten Erſcheinungen wieder, welche die Geſchichte aufweiſet.

Ich glaube dieſer langen Ausſchweifung wegen keiner Ent⸗

ihres Nutzens, oder der ſchlimmen Folgen ihres Gegentheils ent⸗ ſchließen. Jenes ſetzte ſchon voraus, was erſt geſchehen und erhalten werden ſoll; er kann alſo nur durch die ſchlimmen Folgen der Geſetzloſigkeit dazu gezwungen werden. Geſetzloſigkeit aber iſt nur von ſehr kurzer Dauer, und fuͤhrt mit raſchem Uebergange zur willkuͤrlichen Gewalt. Ehe die Vernunft die Geſetze gefunden haͤtte, wuͤrde die Anarchie ſich laͤngſt in Deſpotismus geendigt haben. Sollte die Vernunft alſo Zeit finden, die Geſetze ſich zu geben, ſo mußte die Geſetzloſigkeit verlaͤngert werden, welches in dem Mittelalter geſchehen iſt.