Norden dieſes Welttheils empfangen und erlitten hatte, aber mit ſehr ungleichem Gluͤcke; denn ſo viel Stroͤme Bluts es den Barbaren gekoſtet hatte, ewige Koͤnigreiche in Europa zu gruͤnden, ſo viel koſtete es jetzt ihren chriſtlichen Nachkommen, einige Staͤdte und Burgen in Syrien zu erobern, die ſie zwei Jahrhunderte darauf auf immer verlieren ſollten.
Die Thorheit und Raſerei, welche den Entwurf der Kreuz⸗ zuͤge erzeugten, und die Gewaltthaͤtigkeiten, welche die Aus⸗ fuͤhrung desſelben begleitet haben, koͤnnen ein Auge, das die Gegenwart begraͤnzt, nicht wohl einladen, ſich dabei zu ver⸗ weilen. Betrachten wir aber dieſe Begebenheit im Zuſammen⸗ hang mit den Jahrhunderten, die ihr vorhergingen, und mit denen, die darauf folgten, ſo erſcheint ſie uns in ihrer Ent⸗ ſtehung zu natuͤrlich, um unſere Verwunderung zu erregen, und zu wohlthaͤtig in ihren Folgen, um unſer Mißfallen nicht in ein ganz anderes Gefuͤhl aufzuloͤſen. Sieht man auf ihre Ur⸗ ſachen, ſo iſt dieſe Erpedition der Chriſten nach dem heiligen Lande ein ſo ungekuͤnſteltes, ja ein ſo nothwendiges Erzeugniß ihres Jahrhunderts, daß ein ganz Ununterrichteter, dem man die hiſtoriſchen Praͤmiſſen dieſer Begebenheit ausfuͤhrlich vor Augen gelegt haͤtte, von ſelbſt darauf verfallen muͤßte. Sieht man auf ihre Wirkungen, ſo erkennt man in ihr den erſten merklichen Schritt, wodurch der Aberglaube ſelbſt die Uebel anfing zu verbeſſern, die er dem menſchlichen Geſchlecht Jahr⸗ hunderte lang zugefuͤgt hatte, und es iſt vielleicht kein hiſtori⸗ ſches Problem, das die Zeit reiner aufgeloͤst haͤtte, als dieſes, keines, woruͤber ſich der Genius, der den Faden der Welt⸗ geſchichte ſpinnt, befriedigender gegen die Vernunft des Men⸗ ſchen gerechtfertigt haͤtte.
Aus der unnatuͤrlichen und entnervenden Ruhe, in welche das alte Rom alle Voͤlker, denen es ſich zur Herrſcherin auf⸗


